Geschichtliches

Die Burg Lichtenhaag wurde von den Herren von Haag erbaut.

Ob die oberösterreichischen Herren von Haag vom alten Geschlecht der Haager in Bayern abstammen, das schon im 10. Jahrhundert an Turnieren von König Heinrich I. dem Vogler in Magdeburg teilnahm, oder aus der Gegend von Stadt Haag/NÖ kamen, wo die alte Burg Haag stand, ließ sich bisher anhand der aus dieser Zeit noch existierenden Urkunden nicht eindeutig klären.

Die vielfach vertretene Ansicht, aus einer Urkunde von 1167, wo Leuthard und Chunrad de Haage als Zeugen in einer Angelegenheit des Klosters Wilhering auftreten, auf eine Burg in Lichtenhaag schließen zu dürfen, muss kritisch hinterfragt werden, denn in der Urkunde wird keine Burg erwähnt. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts hatten die Herren von Haag die Veste Luftenberg inne.

Auch die Behauptung, in einer nur noch als Abschrift existenten Urkunde aus dem Jahr 1278 mit „Heinrich von Lichtenhaag“ auf eine Burg Lichtenhag schließen zu dürfen, ist zurückzuweisen, denn der Text dieser falsch zitierten Urkunde nennt gar keinen „Heinrich von Lichtenhaag“, sondern einen „Hainrich von Hage“. Lichtenhaag als Burg scheint urkundlich erstmalig 1455 im Lehenbuch des Königs Ladislaus Postumus auf.

Die erste Nennung von „Lichtenhaag“ im Titel des Herrn Martin Aspan von Haag zu Liechtenhaag und seines 1409 verstorbenen jüngeren Bruders Herrn Wolfhard Aspan von Haag zum (!) Liechtenhag dürfte die Flur Lichtenhag bezeichnen, jene abfallende freie Fläche im Süden der Burg zwischen dem Bauernhof Mair in Aspanhof und dem sogenannten Zigeunerspitz. Der Name „Lichtenhaag“ beschreibt hier einen waldfreien und umzäunten Grundbesitz, den die Herren von Haag offensichtlich erworben hatten. Verwaltet wurde der Besitz vom freieigenen Bauernhof „Alhartinghof“ aus, dem heutigen Maier in Aspanhof, und vom Schadenhof, der nicht mehr existiert.

Über den Bau der Burg erfahren wir aus dem Urbar des Herrn Jörg Aspan von Haag zu Liechtenhaag (†1515) aus dem Jahr 1504, wo er schreibt: „Das gschlos Liechtenhag, so mein eltern die äspan haben von grundt auf gepaut auf den grundt so zu dem hof gehört hat, genandt der alhartinghof, der da freis aigen ist, den man iez zw ainem pauhof praucht mit samt dem schaden hoff.“  Damit haben die Eltern von Jörg Aspan von Haag, Sigismund Asapn von Haag und seine Frau Agnes, die Burg Mitte des 15. Jahrhunderts von Grund auf erbauen lassen auf dem Grund, der zum freieigenen Alhartinghof gehörte. Der Alhartinghof wurde nun als Bauernhof gebraucht und in der Folge „Maier zu Aspanhof“ genannt, der Meierhof der Aspanen.

Somit erscheint auch die spät erfolgte erste urkundliche Erwähnung der Burganlage 1455 im Lehenbuch des Königs Ladislaus Postumus plausibel.

Die strategische Lage der Burg dürfte es den Herrn von Haag ermöglicht haben, den Salzhandel von Aschach durch das Tal der Großen Rodl nach Böhmen zu kontrollieren. Ein Steig durch das Rodltal war sicher kein Hauptverkehrsweg, doch versuchten Säumer (Händler) immer wieder auf Nebenwegen dem Zoll zu entgehen.

Herr Espinius von Haag kaufte 1323 das Schloss Hartheim. Sein Neffe Ulrich ließ 1313 die Kirche in Annaberg bei Alkoven bauen, wo heute noch die Grablege der Herrn von Haag besucht werden kann.

Wolfhard Espin von Haag, der Sohn von Espinius, übernahm den Vornamen des Vaters als Familiennamen. Von nun an nannte sich diese Linie der Familie von Haag zunächst Espin von Haag, später Espan und schließlich Aspan von Haag. Der einst der Burg Lichtenhaag zugehörige Meierhof trägt noch heute die Bezeichnung „Maier in Aspanhof“.

Wolfhard Espin von Haag stiftete 1350 einen ewigen Jahrestag in der Kirche Annaberg.

Mitte des 15. Jahrhunderts erwarben die Herrn von Aspan zusätzlich Schloss Wimsbach, das sie bis zuletzt innehatten.

Die Aspanen empfingen ihre Burg und Besitzungen als landesfürstliches Lehen. Zur Herrschaft Lichtenhaag gehörten im Pfarrgebiet von Gramastetten neben Wald, Jagdgebieten und Fischgründen der Meierhof „Maier in Aspanhof“, sowie 28 freieigene und 19 belehnte Untertanen.

Die Aspanen von Haag bekleideten verschiedene Ämter. Sie waren zeitweise Landrichter, Burggrafen und Pfleger in Wallsee, Scharnstein, Schaumburg und Neuhaus. Auch leisteten sie hervorragende Kriegsdienste.

Herr Jacob Aspan von Haag auf Liechtenhaag Herr zu Harthamb und Wimbspach war seiner Römisch Kaiserlichen Majestät Rat und Landrat im Herzogtum Österreich ob der Enns und wurde um das Jahr 1598 in den Freiherrnstand erhoben.

Die Burg wird zur Ruine

Als der letzte Besitzer von Lichtenhaag, Hans Joachim von Aspan, die Burg 1615 an Herrn Wolf von Gera verkaufte, war das „Gschloss Liechtenhaag“ bereits ein „schlechtes altes Gebäu darinnen ain Herr khain wohnung“ haben kann. Gera residierte auf der Veste Waxenberg, Lichtenhaag wurde dem Verfall preisgegeben.

Aus dem damals offensichtlich schlechten Bauzustand der Burg Lichtenhaag lässt sich schließen, dass die Herrn Aspan von Haag in der späteren Zeit vorwiegend auf ihren beiden andern Schlössern Hartheim und Wimbspach residierten, die alleine schon verkehrstechnisch und wohl auch klimatisch weitaus günstiger gelegen waren. Dafür spricht auch, dass für die Jahre 1537 und 1542 einen Georg Egger zu Liechtenhag erwähnt wird, von dem sonst nichts Näheres bekannt ist. Während Schloss Hartheim 1639 verkauft wurde, dürfte sich Schloss Wimsbach bis zuletzt im Besitz der Aspanen befunden haben. In Lichtenhaag war vor dem Verkauf von 1615 wohl schon länger nicht investiert worden.

Während der Reformationszeit waren die Herrn Aspan von Lichtenhaag wie auch die Herrn von Gera begeisterte Anhänger von der Lehre Martin Luthers. Als 1624 die lutherischen Prediger in Oberösterreich des Landes verwiesen wurden, musste auch in Gramastetten der auf Burg Lichtenhaag lebende Prädikant Buttler das Schloss verlassen. Er begab sich mit seiner Familie nach Lindau am Bodensee.

Freiherr Erasmus von Gera verlor nach der Schlacht auf dem Weißen Berg bei Prag 1620, wo er sich an der Seite der Protestanten gegen die Kaiserlichen gestellt hatte, seine Güter. Er wurde im März 1621 auf Befehl des bayrischen Statthalters im damals an Bayern verpfändeten Oberösterreich, Adam Graf von Herberstorff, verhaftet und auf das Linzer Schloss gebracht. Schon im Herbst 1621 war er bei der katholischen Liga zu finden und machte Karriere im Kavallerieregiment Herberstorff. Er wurde der „Kurfürstlichen Durchlaucht in Bayern bestellter Obrister“ und war seit 1624 mit Anna Benigna von Pappenheim, der Stieftochter Herberstorffs, verheiratet. Schließlich brachte er es bis zum Kämmerer von Kaiser Ferdinand I. Erasmus von Gera konnte die Güter seiner aus Glaubensgründen emigrierten Brüder Wolf und Wilhelm erwerben. Das Herberstorffsche Palais auf dem Linzer Hauptplatz ging nach dessen Tod ebenfalls in den Besitz Geras über.

Nach Schloss Wimsbach 1651 erwarb Conrad Balthasar von Starhemberg im Jahr 1654 auch die Herrschaften Waxenberg, Lichtenhaag und Eschelberg. Lichtenhaag wurde zur Herschaft Eschelberg geschlagen und die Untertanen von dort aus verwaltet.

Als Georg Matthaeus Vischer um 1670 die Anlage graphisch dokumentierte, war Lichtenhaag bereits Ruine.

Die Ruine wird Privatbesitz

Im 17. Jahrhundert ging das Häuschen neben der Burg, das Torwärterhaus, in Privatbesitz über und gehörte einem Michael Pühringer. Dieses kleine Anwesen mit 3/4Joch Grund wurde immer wieder verkauft.

1920 erwarb es Julius Grünberger, ein Maurer aus Gramastetten. 1931 kaufte Marianne Reisinger das Häuschen. Ihr gelang es am 2. 9. 1932 auch in den Besitz der Ruine zu gelangen, die ihr von der Starhembergischen Gutsverwaltung käuflich übertragen wurde, um frei von der Verantwortung für Steinschläge gegen das Häuschen zu werden.

Ab 4. Februar 1948 wurde Johann Lindinger Eigentümer der Ruine, die dann am 9. November 1949 um einen Kaufpreis von 5.000 Schilling in den Besitz von Karl Resch wechselte. Der pensionierte Oberlehrer aus Kramsach in Tirol war bekannt als Weinbergschneckenzüchter und plante, aus der Ruine ein Museum zu machen. Es blieb aber bei der Illusion.

1967 erwarb der Linzer Opernchef Prof. Kurt Wöss die Ruine samt Torwärterhaus, um hier ein musisches Kulturzentrum einzurichten. Es fand jedoch nur eine einzige Veranstaltung statt.

Privatbesitz öffentlich machen

Seit 1972 war der Linzer Gemeinderat und pensionierte Werksschutz-Chef der Vöest-Alpine, Florian P. Schöffl, Burgherr von Lichtenhaag. Auch er machte es sich zur Aufgabe, einen kulturellen Treffpunkt zu schaffen, der für jedermann zugänglich und eine Insel der Erholung werden sollte. Er ließ den Wehrturm vor dem Verfall sichern und baute Zwischendecken ein, um Räume für ein Heimatmuseum zu gewinnen. Im Burghof sollten Konzerte, Ausstellungen und sogar Freilichttheateraufführungen geboten werden. Er grub viele Tonscherben und Gefäße aus und auch ein Verließ, in dem noch Holzreste von einer Pritsche vorhanden waren. Neben seinen Kunstwerken aus Stahl und seinen Gemälden war er besonders stolz auf diese Funde. Die für die aufwendigen Restaurierungsarbeiten vergebliche Suche nach freiwilligen Helfern bei Feuerwehr, Sportvereinen und sonstigen Interessengemeinschaften sowie sein doch schon fortgeschrittenes Alter ließen ihn sein Lebenswerk nicht vollenden.

Er verkaufte 1978 das Anwesen an Familie Doblhofer, die das Torwächterhaus in ein Wohnhaus umbaute und die Anlage so gestaltete, dass ein Hauptwohnsitz langfristig möglich wurde.

2012 verkaufte Familie Doblhofer schweren Herzens aus gesundheitlichen Gründen die Ruine und das Wohnhaus an Renate & Harald Kogler.

Renovierung beginnt

Da die Ruine bereits in einem sehr schlechten Zustand war, die Mauern verwachsen sowie im Burghof Bäume und Sträucher wucherten, wurde 2013 von Renate & Harald Kogler der Verein zur Erhaltung der Burgruine Lichtenhag gegründet. 

Viele Freunde, Nachbarn, die Familie sowie die Gemeinde Gramastetten und die Region Uwe unterstützten die Idee, die Ruine aus dem Dornröschenschlaf zu holen und aus der Ruine eine Veranstaltungstätte zu machen. 

Der Verein bezweckt die Erhaltungfachgerechte Sicherung und Konservierung der Burgruine Lichtenhag. Die erforderlichen materiellen Mittel sollen unter anderem durch Subventionen und Förderungen, Konzerte, Lesungen, liturgische Feiern und Veranstaltungen oder auch zum Beispiel durch Weihnachtsmärkte aufgebracht werden.

Damit jedoch Veranstaltungen mit Besuchern abgehalten werden können, gehört die Ruine soweit gesichert und aufbereitet, dass keine Gefahr für Besucher aufgrund herunterfallender Steine besteht und auch baupolizeilich keine Probleme zu erwarten sind.

Im Juni 2016 wurde bei LEADER (Förderung durch EU, Land) das Projekt zur Konservierung eingereicht und mit großem Zuspruch bewilligt. Weiters wurde von der Gemeinde Gramastetten, dem Bundesdenkmalamt, dem Land OÖ, privaten Sponsoren sowie durch die Einnahmen durch den Verein die finanzielle Seite weitgehend gesichert. Innerhalb von 3 Jahren wurden die Konservierungsarbeiten an der Ruine durch Professionisten und durch über 6.400 ehrenamtliche Stunden  der Vereinsmitglieder durchgeführt. 

Im Juni 2016 wurde bei LEADER (Förderung durch EU, Land) das Projekt zur Konservierung eingereicht und bewilligt. Innerhalb von 3 Jahren wurden dann Konservierungsarbeiten an der Ruine durch Professionisten und durch unzählige ehrenamtliche Stunden der Vereinsmitglieder durchgeführt. Am 02. Juni 2019 wurde die Ruine feierlich „eröffnet“.

Am 02. Juni 2019 wurde die Ruine feierlich „eröffnet“. Die Ruine ist zwar weiterhin in Privatbesitz und nicht jederzeit zugänglich, jedoch ist es nun möglich, sie an den offiziellen Terminen und Veranstaltungen zu besuchen. Weiters besteht die Möglichkeit von Gruppenführungen. Infos und Termine findest du unter Termine/Besichtigung.

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