Schleißheimer Perchten auf der Burgruine Lichtenhag

Es herrschte eine ganz besondere und magische Atmosphäre, als die Schleißheimer Perchten am Areal der Ruine umherzogen. Die historische Kulisse der Burgruine und das beeindruckende Brauchtum der Perchten ergänzten sich perfekt. Aber warum fand dieses besondere Ereignis hier statt?

Der Obmann der Schleißheimer Perchten, Thomas Haunschmid, war maßgeblich an den Konservierungsarbeiten der Burgruine zwischen 2016 und 2019 beteiligt. Als Bauleiter der Firma Weixelbaumer in Wels, die sämtliche Holzarbeiten in der Ruine übernahm, hatte er engen Bezug zu diesem Ort. Zudem ist Thomas der Ehemann meiner Cousine Andrea, und auch ihr Sohn Mark ist bei den Schleißheimer Perchten aktiv dabei. Thomas und ich sprachen oft davon, einmal ein Fotoshooting mit den Schleißheimer Perchten hier zu machen – und heuer im Oktober hat es endlich geklappt!

Verwandtschaftstreffen mal anders :)
v.l.n.r. Andrea Haunschmid (Cousine von Renate), Renate & Harald Kogler, Thomas Haunschmid und davor Mark Haunschmid

Perfekte Organisation für einen reibungslosen Ablauf

Die Planung und Organisation von Parkplätzen und Shuttle-Bussen war im Vorfeld entscheidend. Über 50 Perchten mussten inklusive Masken, Fellen und Equipment zur Ruine gebracht werden. Ein großes Dankeschön an die Firma Mühlberger, Stephan Freiseder für die Bereitstellung des Parkplatzes und das Busunternehmen Hofer für den Transport. Ein weiterer Dank geht an die Shuttle-Bus-Fahrer Franz, Renate, Fredi und Harald, die dafür gesorgt haben, dass alle sicher zur Burg und wieder zurückgekommen sind.

Für das leibliche Wohl sorgten die Damen des Vereins mit Kaffee und Kuchen – vielen Dank an alle für die großartige Unterstützung!

Durch die schmalen Schlitze unter den Augen der Maske kann der Träger hindurchsehen.

Was steckt hinter der Maske?

Bis 2005 wurden die Masken von Hand aus Pappmaché und PU-Schaum gefertigt. Da die Auftritte der Schleißheimer Perchten immer beliebter wurden, entschied man sich ab der Saison 2006, die selbst gefertigten Masken schrittweise durch geschnitzte Holzmasken zu ersetzen. Ein Mitglied des Vereins ließ sich zum Maskenschnitzer ausbilden, und seither werden die Masken teils im Verein geschnitzt. Heute stammen Masken, Felle und weiteres Zubehör von verschiedenen Schnitzern und Gerbereien aus Österreich und Bayern. Eine Ausstattung kostet zwischen € 2.000,- bis € 6.000,-

Hinter der schaurigen Maske steckt natürlich ein ganz normaler Mensch. Bei den Schleißheimer Perchten gibt es rund 70 Mitglieder, darunter viele Familien mit Kindern. Die jüngste Perchte ist gerade einmal sechs Jahre alt. Der Blick durch die Maske erfolgt durch schmale Schlitze, was das Sichtfeld stark einschränkt. Manchmal greifen übermütige Zuschauer nach den Hörnern der Perchten – oft nicht ahnend, dass darunter eine zierliche Person stecken kann, die die schwere Maske trägt. Das kann schmerzhaft und gefährlich sein, weshalb bei vielen Veranstaltungen Security anwesend ist.

Die Schleißheimer Perchten haben einen klaren Kodex: Im Vordergrund stehen Unterhaltung, Faszination und Spaß. Gewalt und Ausschreitungen sind absolut tabu, da sie nichts mit dem ursprünglichen Brauchtum zu tun haben.

Brauchtum der Perchten

Das Perchtenbrauchtum hat seinen Ursprung im bayrisch-österreichischen Alpenraum und geht auf keltische Traditionen zurück. Bereits in der Keltenzeit glaubte man, dass sich der Winter durch das Tragen wilder Masken vertreiben lässt. Im 15. Jahrhundert wurde erstmals die Sagengestalt „Frau Percht“ oder „Frau Perchta“ erwähnt, was als Beginn des überlieferten Perchtenbrauchs gilt. Im 16. Jahrhundert begann man, den Namen „Perchta“ auf dämonische Figuren und Geister zu übertragen.

Nikolaus & Krampus Gruppe der Schleißheimer Perchten

Perchten sind typische Schreckgestalten des alpenländischen Brauchtums, die vor allem in den Wintermonaten Dezember und Januar auftreten. Ein zentrales Element der Perchten sind ihre großen Schellen, die sie tragen, um den Winter symbolisch zu vertreiben. Der Besuch der Perchten wird im Volksglauben als glücksbringendes Omen angesehen. Ob das Perchtenlaufen tatsächlich auf heidnische Bräuche zurückgeht, ist jedoch bis heute umstritten.

Der moderne Perchtenlauf, wie wir ihn heute kennen, entstand um das Jahr 1900. Damals besuchte der Kaiser den Pongau, und alle Perchten der Region versammelten sich, um dem adeligen Gefolge ihre Ehrerbietung zu zeigen. Seitdem sind die Perchtenläufe fester Bestandteil des winterlichen Brauchtums.

Das Brauchtum bringt eine Vielzahl unterschiedlicher Figuren mit sich. Bei den Schleißheimer Perchten laufen neben den klassischen Perchten auch Hexen, Hobagoas, der Tod, der Wolf, der Schmied und die Waldmandln mit. Jede dieser Figuren hat eine eigene symbolische Bedeutung. Die Perchten selbst sind trotz ihres oft furchteinflößenden Aussehens als Glücks- und Segensbringer bekannt.

Sie sollen den kalten Winter vertreiben, böse Winterdämonen fern halten und Haus und Hof im kommenden Jahr vor Unglück bewahren. Zudem werden ihnen Kräfte nachgesagt, die Fruchtbarkeit fördern. Die Hexen hingegen fegen mit ihren Besen das Böse aus der Stube und kehren symbolisch den Schnee des Winters fort, um dem Frühling Platz zu machen.

Wer sind die Schleißheimer Perchten?

Die Schleißheimer Perchten wurden 1997 von einigen Brauchtumsbegeisterten aus Schleißheim bei Wels gegründet. Zu dieser Zeit war der Perchtenbrauch in der Region fast ausgestorben. Die Gründungsmitglieder wollten das Brauchtum wieder aufleben lassen und gemeinsam mit den Menschen der Region weitertragen. Mit großer Leidenschaft wurde der Verein aufgebaut, und seither ist die Gruppe stetig gewachsen. Heute umfasst der Verein rund 70 Mitglieder, darunter Perchten, Hexen und weitere Figuren, aber auch zahlreiche Helfer, die bei den Auftritten unterstützen.

Besonders stolz ist der Verein auf die Kindergruppe „Zotdawaschln“, die 2006 ins Leben gerufen wurde. Die Gruppe besteht aus etwa 20 Kindern im Alter von 6 bis 15 Jahren, die bei den Auftritten oft den Zug anführen. Die Kindergruppe setzt sich aus Perchten, Hexen und weiteren Figuren zusammen. Dabei legen die Vereinsmitglieder großen Wert darauf, das Brauchtum authentisch weiterzugeben und die Traditionen zu bewahren. Die „Zotdawaschln“ sind bei den kleinen Zuschauern besonders beliebt, da sie den Brauch auf eine spielerische und kindgerechte Weise näherbringen.

Der Verein möchte das ursprüngliche Brauchtum bewahren und an die nächste Generation weitergeben. Die Schleißheimer Perchten sind weit mehr als nur schaurige Gestalten – sie sind Glücks- und Segensbringer, die den kalten Winter vertreiben und mit ihren Auftritten Freude und Faszination bei Groß und Klein auslösen.

Wir sagen DANKE für das unvergessliche Erlebnis und den spannenden Blick hinter die Kulissen. Vielleicht konnten wir mit diesem Beitrag ein wenig dazu beitragen, den Brauchtum der Perchten zu bewahren, einen respektvollen Umgang mit ihnen zu fördern und die Scheu vor ihnen etwas zu verringern!

Text & Fotos: Renate Kogler, Susanne Trhal, Schleißheimer Perchten, tims.photo